Berlins am längsten amtierender Regierender Bürgermeister
Klaus Schütz
geboren am 17. September 1926 in Heidelberg, gestorben am 29. November 2012 in Berlin, war 9 Jahre und 7 Monate, vom 19. Oktober 1967 bis zum 2. Mai 1977, und damit fünf Monate länger als Willy Brandt, Berlins „Regierender“. Eine unerwartete Amtsübernahme, war er doch im Dezember 1966 Willy Brandt, dem er seit Jahren verbunden war, ins Auswärtige Amt gefolgt. Sein Wunschamt war das des Bundesaußenministers, das aber während der Dauer der sozialliberalen Koalition fest in der Hand der FDP blieb.
Klaus Schütz, über dessen Kindheit und Jugend wenig verbreitet wurde, wurde nach dem Abitur zur Wehrmacht eingezogen und im Jahr 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, als 18-jähriger Soldat in Italien schwer verwundet. Sein rechter Arm war seither gelähmt.
1946 trat er der SPD bei. Seine politische Laufbahn begann auf dem äußersten linken Flügel. Er leitete eine trotzkistische Jugendgruppe im Berliner Bezirk Zehlendorf, die rätekommunistische Positionen in die SPD trug. Im Herbst 1946 nahm Klaus Schütz an der Berliner Universität (seit 1949 Humboldt Universität) sein Studium der Geschichtswissenschaften und Germanistik auf. Er trat der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Studenten bei und gehörte ab 1947 dem Studentenrat an. Schon bald darauf war er Delegierter der Wilmersdorfer Jungsozialisten im Landesausschuss der SPD. Im Juni 1948 trat Schütz mit weiteren Mitgliedern des Studentenrats zurück und wechselte an die Freie Universität im amerikanischen Sektor. 1949/50 absolvierte er ein politikwissenschaftliches Zusatzstudium an der Harvard University in den USA.
Nach seiner Rückkehr nach Berlin wurde er Anhänger Willy Brandts.
Schütz war von 1957 bis 1962 Mitglied des Deutschen Bundestags, von 1961 bis 1966 Senator für Bundesangelegenheiten und gleichzeitig Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund. Schütz war vom 12. Dezember 1966 bis zum 27. Oktober 1967 beamteter Staatssekretär im Auswärtigen Amt. 1967 trat er die Nachfolge von Heinrich Abertz als Regierender Bürgermeister von Berlin an, der infolge der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg bei der Demonstration am 2. Juni 1967 in West-Berlin gegen den Schah von Persien am 26. September 1967 zurückgetreten war.
Während Heinrich Albertz die Aktion des Berliner Senats zum Schutz des Schahs und Beschränkung der studentischen Demonstrationen am 2. Juni mittlerweile bedauerte („Ich war nie so schwach, als ich besonders hart war“), verteidigte Klaus Schütz weiterhin die Polizeimaßnahmen. Als dann am 18. Februar 1968 zum Abschluss eines Vietnam-Kongresses in der TU eine große Demonstration durch Berlin zog, mit den SPD-Lnken Harry Ristock und Erwin Beck an der Spitze, rief der Senat sowie alle imAbgeordnetenhaus vertretenen Partien und der Ring politischer Jugend, der Verbund der parteinahen Jugendorgansiationen, dem auch die Jungsozialisten angehörten, zu einer Gegendemonstration vorm Schöneberger Rathaus für den 21.Februar auf. Allen Bediensteten des Senats und der Bezirke waren zur Teilnahme aufgerufen. Unter den 80.000 Teilnehmenden wurden Plakate wie „Dutschke an den Galgen“ und „Geht doch nach drüben“ hochgehalten. Keine zwei Monate später geschah das Attentat auf Dutschke.
In den Folgejahren verschärften sich die Spannungen in der Stadt: Die „Befreiung“ von Andreas Bader, verbunden mit der Erschießung des Institutsangestellten Georg Linke, die Entführung des CDU-Vorsitzenden Lorenz, die Ermordung des Präsidenten des Kammergericht Günther von Drenkmann und weitere kriminellen Aktionen der „Baader-Meinhof-Bande“. Schütz hatte für derartige Aktionen nicht die geringste Sympathie oder das minimalste Verständnis. In den Augen der Neuen Linken verkörperte er deshalb das verhasste „System“ und war daher ein besonderes Feindbild der Bewegung. 2009 erschien ein Buch als „Wissenschaftlicher Beitrag aus dem Tectum Verlag“ von Björn Allmendinger „Brecht dem Schütz die Gräten, alle Macht den Räten!“, eine in dieser Zeit häufiger skandierte Parole.
Trotz des erheblichen Stimmenverlusts der SPD bei den Wahlen 1975 war Schütz in der Bevölkerung angesehen. Dazu hatte auch beigetragen, dass er die Ostpolitik, insbesondere die Politik gegenüber der DDR stets mit kritischen Worten begleitete. Dabei berief er sich darauf, dass man „vor Ort“ die Dinge klarer sehe. Nach einer Reihe von Finanzskandalen, an denen er keine Schuld trug, die aber das Ansehen des Senats sehr geschädigt hatten, trat er zum 2. Mai 1977 zurück.
Im Anschluss ging er als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland für vier Jahre nach Israel. Von 1981 bis 1987 war er Intendant der Deutschen Welle in Köln anschließend Direktor der Landesanstalt für Rundfunk in Nordrhein-Westfalen.
Im März 1996 wurde Schütz ehrenamtlicher Präsident des Berliner Deutschen Roten Kreuzes und im Nachhinein Ehrenpräsident. Dabei war seine Arbeit nicht unumstritten, denn unter seiner Führung geriet der Berliner Landesverband in die Insolvenz. Letztlich trat Schütz trotz vorheriger vehementer Dementis von seinem Posten zurück und machte den Weg frei für einen Neuanfang.
Bei seiner Beerdigung hatten auch die Parteiflügel der Berliner SPD ihren Freiden mit ihm gemacht. Jan Stöß, damals Exponent der Linken in der SPD: „Mit Klaus Schütz verliert Berlin und die Berliner SPD einen klugen Kopf und warmherzigen Menschen. Er prägte diese Stadt durch seine innen- und außenpolitische Weitsicht und sein herausragendes politisches Gespür für die Bedürfnisse der Berlinerinnen und Berliner. Es war sein kommunikatives Geschick, das Konflikte und parteiinterne Auseinandersetzungen befrieden konnte und seine Konsequenz, die bis heute beeindruckt. Mit viel Herzblut und aufrichtigem Engagement setzte er diese Eigenschaften auch für die Verständigung zwischen Israel und Deutschland ein. Wir werden Klaus Schütz sehr vermissen!“