Rosa Luxemburg (5. März 1871 – 15. Januar 1919)
Seit hundert Jahren gehen - oder besser: wallfahren - tausende Berlinerinnen und Berliner zur Gedenkstätte für Rosa und Karl (Liebknecht) auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde. Zu ihnen gehören auch, angestoßen durch die Abteilung Dahlem, die im Besitz einer alten SPD-Fahne ist, zahlreiche Parteimitglieder, die schon vor der Wiedervereinigung 1989 daran erinnerten, dass Rosa Luxemburg nur wenig mit den dem Stalinismus eng verbundenen SED-Funktionären zu tun hatte. Ihr Satz aus der Schrift „Zur Russischen Revolution“ war gegen die Diktatur der Bolschwiki in der russischen Revolution gerichtet: „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ und verdeutlicht ihre Nähe zur Sozialdemokratie.
Sie hatte zum Studium 1890 Russland verlassen müssen. An der Universität Zürich traf sie auf zahlreiche russische und polnische Emigranten. Sie freundete sich mit Leo Jogiches an und zog mit ihm nach Berlin. Dort schloss sie sich der SPD an. Innerparteilich wurde sie bekannt durch ihr Auftreten in der „Massenstreik“-Debatte zur Durchsetzung sozialpolitischer Ziele und zur Kriegsverhinderung (Parteitag 1907). Sie war kämpferische Internationalistin und gegen die „Burgfriedenspolitik“ der Mehrheitssozialdemokraten. Sie hoffte, wie auch der französische Führer der Sozialisten, Jean Jaurès (ermordet am 31. Juli 1918), dass sich die europäischen Sozialisten insbesondere in Frankreich und Deutschland gegen die Kriegstreiberei mit einem Generalstreik wendeten.
Während sich die Gruppe um den Fraktionsvorsitzenden Hugo Haase und Eduard Bernstein sehr bald gegen die Zustimmung der Reichstagsfraktion zu den Kriegskrediten wandten und 1917 die USPD gründeten, ging sie mit Karl Liebknecht einen Schritt weiter. Sie bildeten mit anderen die „Spartakus“-Gruppe und gründete, nach der Russischen Oktoberrevolution, am 31. Dezember 1918 die Kommunistische Partei Deutschland (KPD). Anfang Januar 1919 rief die Spartakus-Gruppe in der Parteizeitung „Rote Fahne“ zu bewaffnetem Widerstand gegen die Regierung der „Volksbeauftragten“ um Friedrich Ebert auf. Während Rosa Luxemburg wie auch der Parteivorsitzende und nunmehrige Lebensgefährte Paul Levi in parteiinternen Diskussionen gegen den Aufstand und für eine Beteiligung an den für Ende Januar angesetzten Wahlen zur verfassungsgeben Nationalversammlung eintrat, unterstützte sie in der „Roten Fahne“ den Aufstand. Die Mehrheit der neuen Parte stimmte gegen sie.
Karl Liebknecht, Wilhelm Piek und sie mussten abtauchen. Karl und Rosa wurden am 15. Januar 1919 verraten und in der Mannheimerstr. 27 von Leuten der „Wilmersdorfer Bürgerwehr“ (unter Führung von Bruno Lindner und Wilhelm Moering, die dafür 1700 Mark erhielten) gefangen genommen. Im Hotel Eden (heute Budapester Str. 35) wurden sie gefoltert und nach Verlassen des Hotels ermordet: Rosa wurde bewusstlos geschlagen, erschossen und auf Höhe der Lichtensteinbrücke in den Landwehrkanal geworfen. Karl schwer verletzt von zwei Freikorpsleuten in der Nähe des Tiergarten aus dem Wagen gezerrt und „wegen Fluchtversuchs“ erschossen. Er wurde zum Hotel Eden zurückgebracht und als „unbekannte Leiche“ abgeliefert.
Piek konnte entkommen. Wie ihm das gelang, ist offen geblieben. Der Anführer der Mörder, Pabst, behauptete 1960, er habe ihn freigelassen, weil Pieck ihnen die Namen anderer Kommunisten verraten habe. Am 25. Januar 1919 wurden Rosa und Karl auf der Gedenstätte der Sozialisten, damals noch in Friedrichshain, unter Anteilnahme von über 100.000 Demonstranten beerdigt. Rosa in einem leeren Sarg. Sie wurde erst Ende Mai 1919 im Landwehrkanal gefunden und am 12. Juni 1919 begraben.
Für die heutige Gedenkstätte wurde das Mausoleum des Bankiers von Bismark, Bleichröder, 1951 beseitigt.