Sozialdemokrat des Monats April 2025

Veröffentlicht am 31.03.2025 in Geschichte

Ferdinand Lasalle - zum 200. Geburtstag

11. April 1825 in Breslau als Ferdinand Johann Gottlieb Lassal - 31. August 1864 in Carouge

Nicht fürchten wir den Feind,
nicht die Gefahren all:
Der kühnen Bahn nur folgen wir,
die uns geführt Lassalle.

Das ist der Refrain der „Arbeiter – Marseillaise“, von dem Hamburger Jakob Audorf, gemeinsam mit Lassalle einer der Mitbegründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins ADAV, 1864, kurz nach dem Tod Lassalle's gedichtet, war sie der absolute Hit unter den Liedern der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert.

Doch schon zwanzig Jahre später, nach dem Gothaer Einigungsparteitag 1875 stand auf Plakaten der SPD, mit dem wuchtigen Konterfei von Marx, die Parole: „ER – sehr groß geschrieben – wies uns den Weg. Seine Lehre ist unsere Lehre“. Die Parteien der Arbeiterbewegung, der ADAV 1863 im Anschluss an den allgemeinen deutschen Arbeiterkongress in Leipzig gegründet, deshalb auch die „Lassaleaner“ genannt, und die in Eisenach 1869 von August Bebel und Wilhelm Liebknecht als Abspaltung vom ADAV gegründete „Sozialdemokratische Arbeiterpartei SDAP“, deshalb „die Eisenacher“, die sich internationalistischer und vor allem Marx und Engels verbunden fühlten, schlossen sich zwar 1875 in Gotha wieder zusammen. Aber die Spaltungslinie blieb. Die Fraktionierung blieb bis heute eine DNA der sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien.Von Russland bis Portugal.

Warum?

Die Initiatoren der Arbeiterbewegung wie schon die der Handwerkerorganisationen wie die von Stephan Born gegründete „Arbeiterverbrüderung“ sahen in der „Dummhaltung“ der Massen, den mangelnden Bildungsmöglichkeiten der besitzlosen Schichten, die Hauptursache der Herrschaft der Oberschichten. Das Volk wurde unwissend gehalten. Deshalb entstanden die Arbeiterbildungsvereine zunächst zur allgemeinen und beruflichen Weiterbildung, mehr und mehr aber auch zur politischen Emanzipation: Der Mensch kann die Wirklichkeit nur beherrschen, wenn er ihre inneren Gesetze kennt: „Nur der Natur gehorchend können wir sie beherrschen“ (Das hatte der englische Philosoph Francis Bacon schon 1620 formuliert. Daraus wurde später die Parole: Wissens ist Macht“). Wissen hat eine zweifache Bedeutung: Es ist Wirklichkeitserklärung und auch Handlungsanweisung. Es geht nicht nur um Naturgesetze, sondern auch um das Verständnis der Herrschaftsverhältnisse. Wenn ich weiß, wie etwas zustande gekommen ist, so verstehe ich auch, wie es zu ändern ist – oder ob es nicht zu ändern ist. Friedlich oder durch eine Revolution.

Lassalle war als guter preußischer Bürger für den gewaltfreien Weg. Den sah er in der Durchsetzung des allgemeinen, freien und gleichen Wahlrechts gegen das damals übliche Dreiklassen-Wahlrecht, in dem das Stimmengewicht sich an dem Vermögen des Wählers (Wählerinnen gab es noch nicht) orientierte. „Das freie Wahlrecht ist das Zeichen, in dem wir siegen“ heißt es in der Arbeiter-Marseillaise. Wenn alle das gleiche Wahlrecht haben, dann werden bald die Massen der bislang Stimm- und Rechtslosen die Politik im Land bestimmen. Per Stimmzettel würde die Gesellschaft sozialdemokratisch.

Dass es so einfach nicht ging, dass es wohl der Revolution bedürfen würde, das war die Auffassung der Minderheit, die sich auf Marx und Engels berief. Der friedliche Übergang in eine neue Gesellschaft scheiterte an jenen, die die Macht nicht teilen wollten. Dagegen Jakob Audorf: „Nicht predigen wir Hass den Reichen, nur gleiches Recht für jederman...Wir strecken aus die Bruderhand“.

Die Sozialdemokratie folgte dieser Hoffnung bis zum heutigen Tage. Zu Recht bezeichnet sie als ihr Gründungsdatum den Allgemeinen deutschen Arbeiterkongress im Mai 1863 in Leipzig und auf Lassalle als den geistigen Führer. Trotz alledem und alledem!