Holger Börner
7. Februar 1931 – 2. August 2006
„Wer keine Politik macht, mit dem wird sie gemacht“
Holger Börner wurde am 7. Februar 1931 in Wolfsanger bei Kassel geboren. Der gelernte Betonfacharbeiter war schon durch seine Herkunft mit der Sozialdemokratie verbunden: Bereits sein Großvater war als Anhänger der sozialdemokratischen Bewegung durch die ‚Sozialistengesetze’ Otto von Bismarcks zur Flucht gezwungen worden. Holger Börners Vater wurde wegen dessen sozialdemokratischer Gesinnung vom nationalsozialistischen Gewaltregime verfolgt und war von 1933 bis 1936 politischer Gefangener in einem Konzentrationslager im Emsland.
1948 trat Börner dann selbst in die SPD ein und engagierte sich ab 1950 auf kommunalpolitischer Ebene. 1957 wurde Börner dann als jüngster Abgeordneter im Alter von 26 Jahren in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er bis 1976 angehörte. In den folgenden Jahren übernahm er verschiedene Ämter: So wurde er 1961 Bundesvorsitzender der Jungsozialisten, war von 1967 bis 1972 Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und wechselte anschließend in die Position des Bundesgeschäftsführers der SPD.
Er war von 1976 bis 1987 Ministerpräsident des Landes Hessen. Er wurde berühmt als der Betonfacharbeiter, der die Dachlatte als „schlagendes“ Element in die politische Diskussion einführte: „Ich bedauere, daß es mir mein hohes Staatsamt verbietet, den Kerlen selbst eins auf die Fresse zu hauen. Früher auf dem Bau hat man solche Dinge mit der Dachlatte erledigt.“ Mit diesen Worten über militante Demonstranten gegen die am Frankfurter Flughafen geplante Startbahn West wurde er in einem Interview im Mai 1982 mit der „Bunten Illustrierten“ zitiert. Die Startbahn wurde zwei Jahre später, 1984, in Betrieb genommen.
Ähnlich glücklos erging es ihm mit den Grünen: „Die Grünen stehen für mich außerhalb jeder Kalkulation. Ich schließe nicht nur eine Koalition, sondern jede Zusammenarbeit mit ihnen aus.“ So zitierte ihn die „Welt“ im September 1983. Zwei Jahr später stand er an der Spitze der ersten rot-grüne Koalition in der Bundesrepublik mit Joschka Fischer als Umweltminister.
Die Kasseler Freimaurerlogen Zur Freundschaft und Goethe zur Bruderliebe haben ihn zum Ehrenmitglied ernannt.
Börner war ebenso Ehrenmitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e. V.
Eine Unterlagsrebsorte der Forschungsanstalt Geisenheim, die als einzige Rebunterlage resistent gegen Reblausbefall ist, wurde nach Börner benannt.