Am 29. März 11:00 Uhr wurde die Stele zum Gedenken an die Erfassung und Verfolgung der deutschen Sinti und Roma durch die „Rassenhygienische und Bevölkerungsbiologische Forschungsstelle (RHF)“ Unter den Eichen 82-84, Ecke Bötticherstraße enthüllt. Die „Forschungsstelle“ war Teil des Reichsgesundheitsamtes, das sich an gleicher Stelle befand. Zwischen 1935 und 1942 erfasste die Forschungsstelle reichsweit ca. 25.000 deutsche Sinti und Roma, vermass sie und bereitete damit ihre Verschleppung und schließliche Vernichtung in Auschwitz vor.

Die Errichtung der Stele fand in Anwesenheit der Vorsitzenden des Landesverbandes der Deutschen Sinti und Roma Berlin Brandenburg, Petra Rosenberg, und des Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, statt.

Der Vater von Petra Rosenberg, Otto Rosenberg, war als junger Man selbst in die Fänge der „Forschungsstelle“ geraten und nach Auschwitz deportiert. Er überlebte als einer der wenigen seiner Familie das Lager. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass sich 1992 Schüler des Lichtenberger Gymnasiums in einem Wettbewerb des Bundespräsidenten mit der Tätigkeit der Forschungsstelle befassten und mit ihrer 200-seitigen Dokumentation den ersten Preis gewannen. Gemeinsam konnten sie 1995 ein Tafel zum Gedenken an die Opfer einweihen. Zuvor hatte bereits die ötv-Betriebsgruppe des Bundesgesundheitsamtes (Nachfolgeeinrichtung des Reichsgesundheitsamtes) die Geschichte ihrer Einrichtung in den Jahren 1933 bis 1945 untersucht und insbesondere zur „Forschungsstelle“ eine kleine Ausstellung zusammengestellt.

Die Gedenktafel erhielt nach einigen Jahren eine Platz in einer der breiteren Öffentlichkeit weitgehend unzugänglichen Bibliothek. Die Ausstellung verschwand 2009 in den feuchten Kellern des „Haus der Wannseekonferenz“, wo sie erst 2017, kurz vor ihrer Vernichtung, wiederentdeckt wurde.

Im Dezember 2016 beantragte die SPD-Fraktion der BVV Steglitz-Zehlendorf, gemeinsam mit der Fraktion der FDP, der Grünen und der Linken die Errichtung einer Gedenkstele an einem allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglichen Ort. Die BVV stimmte diesem Antrag einstimmig zu. Nach über zwei Jahren und trotz massiver Verzögerungen, die als „Büroversehen“ entschuldigt wurden, seitens des zuständigen Bezirksstadtrates Frank Mückisch (CDU) und die von der Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) wissend geduldet wurden, kommt es nun endlich zur Errichtung dieser Stele.

Damit wird einer Verfolgtengruppe gedacht, die auch nach 1945 erheblich unter Vorurteilen und Diskriminierungen zu leiden hatte, bevor Bundeskanzler Helmut Schmidt 1982 ihnen den angemessenen Respekt zollte.

Es bedarf weiterhin großer Aufmerksamkeit, um der Missachtung von Minderheiten rechtzeitig zu wehren.

Sinti-Stele
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