Es gibt immer noch 42.000 Überlebende des deutschen Nazi-Terrors in der Ukraine. Auf Initiative des Vereins „KONTAKTE-KOHTAKTbI“ haben sich rund 30 Gedenkstätten, Museen und verschiedene Initiativen aus ganz Deutschland zu einem Hilfsnetzwerk zusammengeschlossen, um diesen Menschen zu helfen. Eines davon ist das Dokumentationszentrum für NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide.

 

„Die Gefahr ist sehr groß für diejenigen, die noch im Land sind“, sagt Christine Glauning, Leiterin des Dokumentationszentrums für NS-Zwangsarbeit. Als Kinder und Jugendliche wurden sie von den Nazis verfolgt, heute sind viele über 90 Jahre alt und damit dem Krieg ausgeliefert.

 

Einigen Überlebenden gelang noch die Flucht, zum Beispiel nach Polen. Aber wegen des Alters funktioniert das nicht immer. „Mittlerweile wird es richtig gefährlich und es ist kaum noch möglich, die Großstädte zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen“, sagt Glauning.

 

Nicht alle von ihnen kämen bei Angriffen in die Luftschutzbunker, berichtet Glauning. Sie hat Kontakt zu zwei ehemaligen Zwangsarbeitern, 95 und 96 Jahre alt. Die beiden seien zu schwach, um in den nächsten Keller zu gelangen: „Also schlafen sie angezogen und hoffen, dass sie die nächsten Luftangriffe überleben.“

 

Der Krieg ist auch eine enorme Belastung für die mentale Seite. Die Situation werde manchmal noch bedrohlicher empfunden als während des Zweiten Weltkriegs, sagt Glauning: „Einer schrieb: ‚Wenn ich Sirenen höre, die einen Luftangriff ankündigen, ist die Angst noch größer als in meiner Jugend.'“

 

Nicht alle Überlebenden des Nazi-Terrors hätten sich als solche offenbart, sagt Glauning. Die Ukraine war Teil der Sowjetunion. „Alle Nazi-Opfer in der Sowjetunion galten als Kollaborateure und Verräter, besonders die zurückkehrenden Zwangsarbeiter. Auch nachdem sie nach Hause zurückgekehrt waren, wurden sie oft stigmatisiert.“

 

Spende für das Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine an: Kontakte-Kontakty e.V. IBAN: DE59 1009 0000 2888 9620 02.