Andreas Liedtke ist am 11. Januar gestorben. Er war langjähriges Mitglied unserer Abteilung. Sein Elternhaus an der Wilskistraße, Ecke Am Fischtal, war sein Lebensmittelpunkt wie der seiner Ehefrau und seiner Kinder.

Zuletzt konnte sich Andreas am Leben unserer Abteilung nicht mehr beteiligen, wegen einer schweren Krankheit, die ihn in den letzten Jahren sehr einschränkte.

Andreas war Vorsitzender unserer Abteilung Krumme Lanke von 1997 bis 2003. Die Berliner SPD war am Anfang dieser Zeitperiode gefangen in einer Großen Koalition. Der Widerstand gegen den Fortbestand dieser Koalition war an der Basis der SPD ziemlich ausgeprägt. Daher lud Andreas als Abteilungsvorsitzender den damaligen Landesvorsitzenden Peter Strieder in die Abteilung ein -es muss wohl 1999/2000 gewesen sein – und trug die Stimmungslage in den Ortsvereinen sehr deutlich vor. Er machte insbesondere klar, dass die Abkehr von der CDU zwangsläufig in eine Zusammenarbeit mit der PDS münden würde und die Basis dieses mittragen würde. Die Wortbeiträge der Versammelten waren entsprechend. Peter Strieder hatte offenbar nicht mit einer derartigen Eindeutigkeit gerechnet. Am Ende war sein Statement, er habe verstanden, er könne als Landesvorsitzender im Rahmen einer Abteilungsversammlung sich aber natürlich nicht zu weiteren strategischen Absichten einlassen. – Es war eine denkund erinnerungswürdige Parteiveranstaltung. Peter Strieder durfte mit einem deutlichen Erkenntnisgewinn nach Hause gehen.

Kurz darauf gab die AG 60 Plus in Steglitz-Zehlendorf ähnliche Statements ab. Die SFB-Abendschau brachte dazu einen ausführlichen Bericht. Wir, also unsere Abteilung Krumme Lanke, legten nach und luden den Bundesvorsitzenden der PDS Lothar Bisky zu einer Abteilungsversammlung ein. Wir hatten die entsprechende mediale Aufmerksamkeit, u.a. im Tagesspiegel Seite 3 eine ganzseitige Reportage, die war natürlich ablehnend.

Im Jahr 2001 wurde Klaus Wowereit nach Aufkündigung der Koalition mit der CDU wegen des Bankenskandals zum Regierenden Bürgermeister auf der Basis eines Bündnisses des Linken Lagers gewählt. Die jahrelange Ausschließeritis hatte ein Ende.

Für viele von uns bleibt die Zeit des Abteilungsvorsitzes von Andreas Liedtke mit diesen Vorgängen verbunden. Andreas hat sich vor allem damit große Verdienste für die Berliner SPD erworben.

Andreas Liedtke hatte Politologie studiert. Bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie war er u.a. beschäftigt als Drogenreferent und bei der Betreuung von Jugendwohn-gemeinschaften. Dementsprechend arbeitete er auch über Jahrzehnte mit im Fachausschuss Jugend der Berliner SPD.

Andreas hat alle seine Aufgaben sorgfältig und sehr verlässlich wahrgenommen, bis einschließlich der in seinem Privatleben: Beteiligung als Trompeter in zwei Blasmusikorchestern oder als Organisator von Wander- und Weinreisen im Freundeskreis.

Andreas war eine in sich ruhende Persönlichkeit: Heiter und unaufgeregt, stets auf Ausgleich und Berücksichtigung aller Interessen bedacht. Wir haben mit ihm einen grundanständigen und liebenswürdigen Mitstreiter verloren.

Werner Lang, 20.02.2021

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