Mit Richard Röhrbein ist ein besonders aktives Mitglied unserer Abteilung von uns gegangen.

Sein Wirken für unseren Zehlendorfer Stadtbereich, insbesondere für die Erhaltung der Eigenart der Waldsiedlung Onkel Toms Hütte und der Gestaltung der Ladenstraße im U-Bahnhof hat Matthias Boye in seinem Nachruf für den Verein Papageiensiedlung ausführlich gewürdigt.

Ich beziehe mich vor allem auf seine vorangehende Tätigkeit als Stadtplaner im Dienst der Stadt Potsdam in den neunziger Jahren.

Über Richards beruflichen Werdegang vor seiner Potsdamer Zeit kann ich nicht viel sagen. Ich weiß nur, dass er zuerst in Lübeck im Bereich der Stadtplanung tätig war. In Berlin wurde er dann Leiter des Stadtplanungsamts im Bezirksamt Wilmersdorf und danach Referatsleiter in der Senatsbauverwaltung.

Richards fruchtbarstes Wirken fällt dann nach meiner Einschätzung auf jeden Fall in die mehr als zehn Jahre umfassende Zeit als Leiter der Potsdamer Stadtplanung bis zu seiner Pensionierung. Dabei galt für ihn das Motto „erst die Pläne, dann die Kräne“, was bedeutete, kurzfristige Interessen der Investoren und auch mancher Politiker zu in dem sich abzeichnenden Bauboom zu zügeln.

Wenn sich die Stadt Potsdam nach der Wende wie fast keine andere in Ostdeutschland in jeder Hinsicht positiv entwickelt hat, dann ist das auch Richards Verdienst. Er hat seine Spuren bei der Verwirklichung der in der Summe mehrere Milliarden umfassenden großen Bauinvestitionen hinterlassen, die sich heute als gelungene, sozial und ökologisch ausgewogene Stadtplanung mit guter Architektur sehen lassen können.

Dabei kamen ihm seine außergewöhnlichen Kenntnisse der stadträumlichen und stadthistorischen Besonderheiten der jeweils zu entwickelnde Potsdamer Stadtbereiche zugute. Die besondere Qualität der Potsdamer Stadtplanung und Architektur wurde insbesondere dadurch erreicht, dass Richard regelmäßig die Vergabe von Stadtplanungs- und Architektenaufträge aufgrund von Ausschreibungen veranlasste. Aufgrund seiner fachlichen Beziehungen konnte er dabei die besten Architekten und Stadtplaner nach Potsdam holen. Es war Richard, der die komplizierten Gespräche mit Investoren, der Treuhand, der Landesregierung, der Bundesvermögensverwaltung usw. stets fachlich so vorbereitete, dass die Stadtseite immer die besseren Argumente hatte. Als ein typisches Beispiel mag diese Eintragung vom März 1992 in meinem Buch „Nachwendezeit- ein Potsdamer Tagebuch 1991-1994“ zur Entwicklung des brachgefallenen Babelsberger DEFA-Geländes dienen:

„Den ganzen Tag Klausurtagung bei der DEFA. Vorstellung der Ergebnisse der Recherchen des von uns (auf Richards Vorschlag) beauftragten Planungsbüros… Die Veranstaltung beweist, dass wir mit unserer – d. h. Röhrbeins – Idee völlig richtig liegen. Es bestehen bei den Vertretern der Treuhand und des Kultusministeriums, die seit mehr als einem Jahr über das DEFA-Gelände verhandeln, nur vage Vorstellungen über die zukünftige bauliche Nutzbarkeit des Grundstücks, über den Begriff des Medienstandortes sowie über den Bedarf von Rundfunk und Film. Am Schluss wird uns nachdrücklich gedankt, dass nunmehr konkrete Anhaltspunkte erarbeitet worden sind, die bei den Verkaufsverhandlungen der Treuhand in den nächsten Tagen von Gewicht sein werden.“

Auf dieser Grundlage ist dann der Medienstandort für Film und Fernsehen, für den RBB, für die Filmakademie und für das beim allgemeinen Publikum so beliebte aktive Filmmuseum entwickelt worden.

Ich selbst habe die interessanteste Zeit meines Lebens besonders Richard zu verdanken. Nachdem er kurz nach der Wende in Potsdam als Amtsleiter begonnen hatte, wurde die der SPD zustehende Stadtratsstelle für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung frei. Seiner Anregung folgend konnte ich mich erfolgreich bewerben. Das führte zu einer langjährigen fruchtbaren Zusammenarbeit. Diese verlief natürlich nicht immer ohne Konflikte. Wer ihn näher kannte weiß, dass Richard mit Leib und Seele Stadtplaner und Architekt war. Die damaligen bürokratischen Aufgaben beim Aufbau einer Bauverwaltung nach westlichem Muster waren nicht immer sein Ding.

Peter v. Feldmann